Wie sich Banken durch Nachhaltigkeit in der Kommunikation Vorteile verschaffen

Wie sich Banken durch Nachhaltigkeit in der Kommunikation Vorteile verschaffen

Beim Klimawandel lässt sich die Verantwortung der Finanzwelt besonders gut in Zahlen fassen: 7 Billionen US-Dollar müssen jährlich investiert werden, um die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) zu erreichen – so eine Kernaussage der 5. internationalen Konferenz der Auslandsbankenverbände, die Ende November in Vaduz stattfand. Damit ist klar, dass dem Finanzsektor eine entscheidende Rolle als Katalysator zukommt, um die Klimaziele in die Praxis umzusetzen. Nachholbedarf gibt es indes bei der Frage, wie die Banken konkret zur Umsetzung der SDGs beitragen. Eine offene Kommunikation und Beteiligung der Banken an der Konversation um Nachhaltigkeit kann zur Lösung beitragen. Sie eröffnet gleichzeitig eine Chance für die Banken ihre eigene Rolle im Nachgang zur Finanzkrise nachhaltig neu zu definieren: als Förderer und Treiber des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels.

Banken stehen weiterhin vor der Aufgabe Vertrauen zurück zu gewinnen. Während laut dem aktuellen GfK Global Trust Report in der Schweiz und Liechtenstein noch rund 50 Prozent der Bevölkerung vertrauen – mit abnehmender Tendenz -, sind dies in Deutschland gerade noch ein gutes Drittel. Banken und Versicherungen bilden dort gar das Schlusslicht im Branchenvergleich. Die Herausforderung und die Chance für Banken liegt darin gesellschaftliche Relevanz zu zeigen. In Zeiten der Digitalisierung setzt dies voraus aktiv an der Diskussion um Nachhaltigkeit teilzunehmen, den Austausch mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Aktivisten nicht zu scheuen und sich in sozialen Medien mit Themenbeiträgen zu zeigen: Ganz regional vor Ort für die Bürger in Liechtenstein und dem Rheintal, oder auch darüber hinaus, um das Thema europaweit oder gar global anzupacken.

Von der Industrie lernen

Nathan Fabian, der für die Vereinten Nationen an Prinzipien für verantwortliche Investitionen arbeitet, drückte es in Vaduz so aus: “Die Banken artikulieren sich beim Thema Nachhaltigkeit nicht gut genug. Sie könnten von der Industrie abschauen, wie es geht.” Das setzt vor allem voraus, konkret zu werden und an ganz praktischen Beispielen zu erklären, wie Finanzierung wirkt. In Europa finanzieren 3.500 Banken rund 80 Prozent aller Investitionen in Nachhaltigkeit. Die Finanzwelt kann bestimmen, wohin das Geld fliesst: Ob Kredite vergeben oder direkt investiert wird, ob man Risiken auf die Bilanz nimmt oder beratend tätig wird. Transparenz darüber zu schaffen, warum und wie die Mittel vergeben werden, kann ein erster Schritt sein. Kollaborativ vorzugehen, Kunden sowie auch Influencer im Markt aktiv einzubinden, kann die Wirkung vervielfachen.

Führungsaufgabe

Kommunikation ist Chefsache. Das gilt umso mehr für gesellschaftliche Themen wie Nachhaltigkeit: Die CEOs oder Geschäftsführer der Banken müssen vorangehen. Simon Tribelhorn, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbands tat es und sagte bei der Konferenz, dass Nachhaltigkeit im Alltag Fuss fassen und auch nachhaltig kommuniziert werden müsse. Larry Fink, Gründer, Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock geht jährlich mit offenen Briefen an CEOs voran und schrieb zuletzt: “Die gesellschaftliche Spaltung in der Welt ist beunruhigend. Unternehmen müssen sich fragen, wozu sie da sind, und was sie der Gesellschaft schulden. Sie dürfen sich nicht auf kurzfristiges Geldverdienen konzentrieren. Sie brauchen eine nachhaltige Strategie.” Daraus ein fortlaufendes Thema zu machen und dieses in die persönliche Kommunikation der Bankenchefs einzubauen, vor allem in sozialen Medien, kann ein weiterer Baustein sein.

Privates Interesse wecken

Olivier de Perregaux, CFO der LGT, sieht vor allem bei Privatanlegern Nachholbedarf in Bezug auf nachhaltige Investments. Während die Institutionellen bereits SDG-konforme Produkte nachfragen, sei bei den Privaten noch Überzeugungsarbeit zu leisten: „Gute Kommunikation ist der Schlüssel, um privates Interesse zu generieren“. Das Augenmerk müsse von Risiken auf Chancen gerichtet werden. Nachhaltigkeit sei ein attraktives Investment, wie zum Beispiel Public Private Partnerships im Infrastrukturbereich zeigen. Zu glaubwürdiger Kommunikation gehöre auch die Themen, die im Raum stehen, offen anzusprechen: Zum Beispiel, dass fossile Energien weiterhin zu niedrig bepreist sind.

Erste Schritte sind getan. Offene Kommunikation, gebunden an konkrete Schritte, kann den Banken einen Vorsprung verschaffen, um nicht nur Vertrauen aufzubauen, sondern auch zum Antreiber für Nachhaltigkeit zu werden.

Der Blogbeitrag erschien am 07.12.2018 ebenfalls in Wirtschaft Regional.

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